Risikomanagement beim Weinkauf

Periculum und Praxis im Imperium Romanum

EAN13 : 9782821846487

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Die Gefahrtragung beim Kauf ist ein umstrittenes Problem. Als Leitprinzip galt
im klassischen römischen Recht periculum est emptoris; dieser Satz wurde
jedoch bislang durch die Perfektionslehre präzisiert. Dadurch kam eine
komplizierte Definition zustande, die viele Ausnahmen kannte. Im Mittelpunkt
der Untersuchungen stand bisher das „gesetzte Recht“, obwohl die Quellen eine
tief im gelebten Recht wurzelnde Kasuistik überliefern. Dieses
Spannungsverhältnis motivierte die Autorin, Éva Jakab, dazu, die Gefahrtragung
aus dem Aspekt der Vertragspraxis zu untersuchen. Die „Nahaufnahme“
konzentriert sich auf einen einzigen Kauftyp, den Weinkauf. Die Autorin
beleuchtet den wirtschaftlichen Hintergrund des Weinkaufs und die Methoden der
antiken Weinproduktion. Zudem behandelt sie die Vermarktung des Weines. Hier
werden Vertragsformulare zusammengestellt, die beim Verkauf von Wein am
häufigsten verwendet wurden (Catos leges venditionis, Arrhalkauf und
Lieferungskauf in den Papyri und in den Schriften der Juristen Roms).
Schließlich fasst sie die Ergebnisse der Arbeit zum Thema „Risikomanagement“
zusammen. Von der herrschenden Lehre abweichend differenziert sie zwischen dem
periculum vis maioris und dem „vertragsspezifischen Risiko“. Eine Hauptregel
von allgemeiner Geltung (periculum emptoris) kannte das römische Recht allein
für das periculum vis maioris. Die vertragsspezifischen Risiken wurden durch
vertragliche Abreden geregelt. Ein Überblick über die Quellen zeigt, welche
Risiken bei Weingeschäften tatsächlich auftraten. Die Verfasserin versucht die
Problematik des periculum rei venditae nach einem neuen Konzept zu lösen. Der
methodische Ausgangspunkt ist die Berücksichtigung der Vertragspraxis. Dabei
wurde die Barriere zwischen lateinischen und griechischen Dokumenten
übersprungen. Sie geht auf die Erscheinungen des gelebten Rechts ein und
markiert damit die Bruchstellen in den bisher gelehrten dogmatischen
Strukturen. Die offengelegten Inkonsequenzen drängten auf neue Lösungen. Die
Ergebnisse zum Weinkauf zeigen die Konturen einer neuen Auffassung, die das
Gefahren zuweisende Element des periculum beim Kauf weniger als allgemein
geltende Hauptregel auffasst, sondern eher als komplexes Risikomanagement, das
von den Vertragsparteien überwiegend im Rahmen der Privatautonomie gehandhabt
wurde.

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