Rechtsschutz im hellenistischen Ägypten

EAN13 : 9791036555930

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Hellenismus ist nicht nur eine Epochenbezeichnung. Der Begriff wurde geprägt,
um die wechselseitige Durchdringung von Orient und Okzident und die
Verschmelzung der dominierenden griechischen Kultur mit anderen zu
beschreiben. Anzeichen für eine lediglich oberflächliche Verbreitung der
transformierten griechischen Kultur legen Vergleiche mit neuzeitlichen
Kolonialgesellschaften nahe, auch wenn die hellenistischen Reiche kein
Mutterland hatten. Die drei letzten vorchristlichen Jahrhunderte waren
jedenfalls unstreitig von hoher Mobilität, intensiver Kulturbegegnung, von
Symbiose und geistigem Austausch geprägt. Damals wurden die in der Polis
entstandenen Ideen zu Herrschaft und Rechtsstaatlichkeit in großflächige
Herrschaftsgebilde überführt und gingen später in die lateinische Literatur
des römischen Imperiums und dann frühe christliche Gedankengebäude über. Die
Frage, wie Konfliktlösung in einer dieser polyethnischen ostmediterranen
Gesellschaft funktionierte, kann nur für Ägypten beantwortet werden, da allein
hier in nennenswertem Umfang auch Alltagsschriftgut überliefert ist. Anhand
der vielfältigen Rechtsschutzgesuche an unterschiedliche Autoritäten
(Gerichte, Beamte, Vereinsvorstände) sowie anhand der wenigen Zeugnisse
königlicher Regulierung der Rechtsschutzgewährung soll in dieser Untersuchung
primär das Konfliktlösungsverhalten der griechischsprachigen
Bevölkerungsschicht kartographiert werden, das sich durch die Vielfalt der
Instanzen trotz grundlegender Untersuchungen zur Gerichtsorganisation (v.a.
von Hans-Julius Wolff) noch immer unserem Verständnis entzieht. Um die
bisherigen Ansätze zu überwinden, wird als Ausgangsthese angenommen, dass
staatliche Eingriffe in die vorhandene Vielfalt der Konfliktlösungsinstanzen
nur bei äußerem Zwang erfolgten und sie ansonsten der Selbstorganisation
überlassen wurden.

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